Heidi Schilling: Offener Brief an Minister Joachim Herrmann:


Bayerisches Staatsministerium des
Innern, für Sport und Integration
Herrn Staatsminister
Joachim Herrmann
80524 München
Rothenburg, den 21. Mai 2019

Offener Brief an Herrn Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration

Sehr geehrter Herr Staatsminister,
Sie haben mich zum Empfang des Staatsministers am 25. Mai 2019 in Rothenburg ob der Tauber eingeladen. Ich möchte ausdrücklich nicht teilnehmen.
Aus der Einladung geht, neben dem Adresszusatz "Kreisrätin", nicht näher hervor, was mir die Ehre dieser Einladung verschafft. Neben meinem Kreistagsmandat habe ich mich auch ehrenamtlich für Geflüchtete im Arbeitskreis Asyl Rothenburg engagiert.
Vor allem in dieser Funktion sehe ich mich nicht in der Lage, an einem prunkvollen Empfang teilzunehmen, während die Staatsregierung tagtäglich unsere Bemühungen für Integration erschwert, verhindert oder durch Abschiebung gut integrierter Menschen komplett zunichte macht.
Ich mache Ihr Ministerium dafür verantwortlich, dass es Geflüchtete in Bayern in vielen Bereichen sehr viel schwerer haben als im Rest der Bundesrepublik. Als Beispiele nenne ich die besondere Auslegung der Ausbildungsduldung, auf die hier kein Rechtsanspruch besteht sondern nach Ermessen und Bleibeperspektive von den Ausländerbehörden oft zu Ungunsten der Integrationswilligen entschieden wird. Insgesamt ist Ihre Politik in entscheidenden Punkten integrationsfeindlich:
Ich nenne die Einführung der sieben "Ankerzentren", die Sie in vorauseilendem Gehorsam gegenüber Bundesinnenminister Horst Seehofer schnellstmöglich umgesetzt haben, anders als alle anderen Bundesländer, die erhebliche Nachteile für die Integration in diesem Konzept erkennen. Sie halten nach wie vor unbeirrt daran fest und bezeichnen die Einführung sogar als Erfolg (Bayerischer Rundfunk, 25.04.2019). Mir sind die Einrichtungen in Zirndorf und in Bamberg persönlich bekannt und ich weiß deshalb aus eigener Erfahrung, dass dort keine oder nur äußerst wenig Integration, sondern ausschließlich "Aufbewahrung" stattfindet. Experten sind sich einig, dass genau diese Vorgehensweise auch zu Gewaltbereitschaft, Kriminalisierung und Radikalisierung führt.

Ich nenne die Verweigerung von Arbeits- und Ausbildungserlaubnissen für eine große Anzahl von Asylbewerbern, die arbeitswillig sind, ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und Steuern zahlen möchten und darüber hinaus unter der Untätigkeit leiden oder sogar daran erkranken.
Ich nenne die verstärkte Abschiebung nach Afghanistan, die unnötig und unmenschlich ist.
Sie selbst werden in verschiedenen Medien zitiert, dass Sie jeden Fall auf unnötige Härte überprüft sehen möchten und dennoch hören wir fast wöchentlich wieder von jungen Menschen, die aus Schulen, Ausbildungsverhältnissen, Kreißsälen oder Krankenhäusern heraus zur Abschiebung abgeholt werden. Ich selbst kenne persönlich Menschen aus Afghanistan, die im dritten Ausbildungsjahr standen und am Morgen eines Abschiebefluges Besuch von den Spezialbeamten bekamen - aus dem einzigen Grund, dass im Flieger noch Plätze für willkürlich zusammengesuchte Ausreisepflichtige frei waren.
Auch hier im Landkreis sind viele mittelständische Unternehmer/innen der Meinung, dass die bayerische Abschiebepraxis unnötig und wirtschaftsschädlich ist, wie eine Unterschriftsaktion des Integrationsbeauftragten des Landkreises gezeigt hat.
Darüberhinaus hat der Europarat nach einer Bestandsaufnahme des Anti-Folter-Komitees (CPT) erhebliche Kritik an der Abschiebepraxis geübt. Dabei war von "unverhältnismäßiger und unangemessener Gewaltanwendung" die Rede, von "Methoden, die bei den Betroffenen ein Erstickungsgefühl auslösten oder ihnen starke Schmerzen zufügten - etwa durch Quetschen der Genitalien" und anderen unmenschlichen Vorgehensweisen (Bayerischer Rundfunk, 09.05.2019)
Weitere Beispiele gäbe es zu nennen, ich beende hier meine Ausführungen.
Mir ist die Komplexität der Thematik durchaus bewusst. Ich beziehe mich mit diesem Brief ausdrücklich auf die signifikant unterschiedliche Vorgehensweise des Freistaates Bayern im Vergleich zu den anderen Bundesländern, welche große Unsicherheit, Frust und Motivationsverlust sowohl bei Migranten als auch bei haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern auslöst. Ich appelliere an Sie und die gesamte bayerische Staatsregierung hier einen Richtungswechsel vorzunehmen, der den christlichen und humanistischen Grundwerten Ihrer Partei und unseres Landes entspricht. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in unserer schönen Stadt Rothenburg ob der Tauber.

Hochachtungsvoll
Heidi Schilling

Besuch des Biolandhofs Schilling

Der ÖDP Kreisverband Ansbach lud ein zur Besichtigung des Biolandhofs der Familie Schilling in Schnepfendorf bei Rothenburg, um sich über biologische Landwirtschaft zu informieren. Der Bioland-Betrieb wird seit 1979 organisch-biologisch bewirtschaftet. Die derzeitigen Betriebsinhaber Heidi und Jürgen Schilling werden von ihrer Tochter und Hofnachfolgerin Barbara (24) und ihrer Familie tatkräftig unterstützt.


Die Besucher aus dem gesamten Ansbacher Landkreis kamen zur Stallzeit und konnten Melkarbeit und Fütterung hautnah miterleben. Die Milch der 33 horntragenden Milchkühe wird von der Dorfkäserei Geifertshofen (Lkr. Schwäbisch Hall) zu hochwertigstem Käse verarbeitet. Dafür haben sich die Betriebsleiter verpflichtet, komplett auf Silage-Futter zu verzichten. Die Tiere fressen im Sommer frisches Grünfutter, auch frischen Mais für ein paar Wochen im Spätsommer, im Winter Heu aus Wiesengras oder Klee, etwas Getreide aus eigenem Anbau runden den Speisezettel ab.

Den Tieren steht ein befestigter Laufhof im Freien zur Verfügung, sowie im Sommerhalbjahr eine kleine Hofweide. Alle Kälber bleiben mindestens zwei Wochen bei ihrer Mutter. Die weiblichen Kälber, die als zukünftige Milchkühe auf dem Hof verbleiben, werden 4-5 Monate ausschließlich von ihrer Mutter mit Milch versorgt. „In der Regel haben wir so gesündere Tiere und wenig Arbeit“, erklärt Jürgen Schilling. Heidi und Barbara Schilling kennen ihre Tiere beim Namen und wissen auch über ihre Vorlieben und Eigenheiten Bescheid.

 

Die Leidenschaft des Betriebsleiters gilt eher dem Ackerbau und besonders der Bodenfruchtbarkeit. „Wir Biobauern sind existentiell darauf angewiesen, das Bodenleben zu hegen und zu fördern, und möglichst alles zu unterlassen, was das empfindliche Gleichgewicht stören könnte.“ meint er. Festmist und Gülle nützen wir zur Ernährung unserer Pflanzen. Der Anbau von Leguminosen bringt den Stickstoff in den Betriebskreislauf.“ Bei der Unkrautbekämpfung geht es ihm nicht nur darum die unerwünschten Pflanzen zu entfernen. „Die sogenannten Unkräuter sind Zeigerpflanzen, die uns zeigen wollen, dass im Boden etwas im Ungleichgewicht ist. Wir müssen diese Probleme im Boden in Ordnung bringen, damit die Begleitflora nicht überhandnimmt“, ist der Biolandbauer überzeugt. Dabei sind das Zusammenwirken von Fruchtfolge, Düngung, Bodenbearbeitung und natürlich das Wetter wichtig. “Die mechanische Unkrautregulierung mit Hacke und Striegel ist nur der letzte Feinschliff.“

 

Das Thema Artenvielfalt macht auch vor der ökologischen Landwirtschaft nicht halt. Ein positiver Nebeneffekt der „Heumilch“ sei es, dass die Heuernte nicht innerhalb weniger Tage auf allen Wiesen gleichzeitig eingebracht werden kann. So bleiben immer einige Wiesen bis Mitte Juni stehen, die dann Insekten und Vögeln als Lebensraum dienen können. „12 bis 15 Hektar der insgesamt rund 60 Hektar werden immer mit Klee-Gras-Mischungen bebaut, dazu kommen Erbsen und Ackerbohnen als Eiweißfutter, so dass auch eine Menge Blühpflanzen vorhanden sind“, führt Heidi Schilling aus.


Die Biobäuerin kandidiert bei der anstehenden Europawahl auf der bundesweiten Liste der ÖDP.
Durch die Agrarförderung, die von der EU ausgeht, wäre es möglich, die Weichen für eine Agrarpolitik zu stellen, die Tierhaltung wieder an die Fläche bindet und Massenproduktion für den Weltmarkt unattraktiver macht. Vor allem die derzeitig praktizierte Förderung nach dem Gießkannenprinzip, allein nach dem Kriterium der Größe der bewirtschafteten Fläche, ist ihr ein Dorn im Auge: „Damit hilft man vor Allem den Großbetrieben und befeuert den ohnehin schon harten Kampf um Pachtflächen!“, so Schilling.
„Natürlich würde ich im EU-Parlament meinen „Mann stehen“, sagt Heidi Schilling. „ In erster Linie geht es mir aber darum, dem bisherigen Mandatsträger und äußerst kompetenten Parlamentarier Prof. Dr. Klaus Buchner und noch ein, zwei weiteren ÖDPlern wieder zum Einzug ins Parlament zu verhelfen. Die Chancen dafür stehen im Moment sehr gut!“

 

 

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